Geschichte des Stadtteils Kattenstroth

Auf dieser und den folgenden Seiten finden Sie einen Auszug aus dem Denkmalpflegeplan der Stadt Gütersloh. Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchives Gütersloh

Quellenangabe:

Fachhochschule Köln / Fakultät für Architektur Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege Betzdorfer Straße 2 50679 Köln Prof. Dr.-Ing. Norbert Schöndeling

Darstellung der Geschichte

Der Stadtteil Kattenstroth ist aus der gleichnamigen ehemaligen Bauerschaft entstanden und bildet die westliche Grenze der Stadt Gütersloh. Historisch gehörte der Ort zum Amt Reckenberg als Exklave des Bistums Osnabrück.

Kattenstroth ist ein geographischer Name und bedeutet "Kotten im Busch (= Stroh)". Das Gebiet gehörte zum großen Ohlbrock, bestehend aus Wald, Weide und Wiese. Als gemeinschaftliche Weide reichte der Bezirk bis vor die Stadt Gütersloh und lag zu beiden Seiten des Ölbachs. Wegen der Nutzung zur Plaggen- und Holzgewinnung hatten der Bischof von Osnabrück, der Graf von Rietberg und die Abtei Marienfeld Einfluss auf Kattenstroth, den sie als Holzrichter bis zum Jahr 1830 ausübten.

Die erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1189 als "Catinstrot", der Name "Kattenstrot" findet sich weiterhin in einer Urkunde von 1250.

Mit dem Bielefelder Rezess vom 27.03.1565 wurde die Zugehörigkeit von Kattenstroth zum Amt Reckenberg und damit zum Bistum Osnabrück bestätigt. Der genaue Grenzverlauf wurde am 09.06.1565 im Vertrag von Wiedenbrück festgelegt, so dass Kattenstroth im Norden von der Herrschaft Rheda umschlossen wurde (eine Karte finden Sie hier). Der 30jährige Krieg brachte unruhige Zeiten, die 1621 mit dem Einfall der Truppen des Christian von Braunschweig begannen und erst 1648 im Westfälischen Frieden endeten. Auch in der Folgezeit waren immer wieder militärische Aktionen zu verzeichnen, so bezogen am 27. und 28.06.1757 französische Truppen unter Marschall d’Estees Quartier in Gütersloh und Umgebung, auch in Kattenstroth. Bei einem Gefecht auf Schalücks Heide am 01.07.1758 unterlagen zwei französische Husarenregimenter gegen fünf preußische Husarenschwadronen. Während der Kampfhandlungen flüchtete die Bevölkerung in die umliegenden Wälder.

Durch die Säkularisation wurde 1803 das Kloster Marienfeld aufgelöst und die Mönche durch Blüchersche Husaren vertrieben. Der Hof Schledebrück, bei dem das Holzgericht für Kattenstroth abgehalten wurde, verlor damit seinen Lehnsherren. Insgesamt fiel das Bistum Osnabrück an das evangelische Kurfürstentum Hannover, das wiederum 1806 zu Preußen kam. Im Jahr 1807 änderte sich für Kattenstroth erneut der Landesherr, als das Amt Reckenberg Teil des Königreichs Westfalen wurde, das Napoleons Bruder Jerome von Kassel aus regierte. Im Wiener Kongress von 1815 kam Reckenberg wieder zu Preußen. Kattenstroth wurde Teil der Großgemeinde Avenwedde, die ab 01.11.1816 zum neu gegründeten Landkreis Wiedenbrück gehörte. Am 01.04.1889 wurde die bis dato für Kattenstroth zuständige Wöste-Vogtei aufgelöst und eine neue Gemeinde Kattenstroth-Spexard gebildet. Diese bestand bis zum 01.04.1910 und endete mit der Eingemeindung Kattenstroths in die Stadt Gütersloh.

Die letzte kommunale Neuordnung am 01.01.1970 brachte damit für Kattenstroth keine weitere Veränderung. Seit dem 01.01.1973 ist die ehemalige Bauerschaft ein Stadtteil der Kreisstadt Gütersloh.

Gesellschaft

Kattenstroth ist ein beliebtes Wohngebiet im Gütersloher Süden. Auch nach der Umwandlung von Ackerflächen zu Bauland kann der Stadtteil mit reichlich Freiflächen aufwarten und unterstreicht damit den hohen Freizeit- und Erholungswert. Das Gebiet von Kattenstroth bildet einen weitläufigen Grüngürtel um die Kernstadt Gütersloh.

Den Stadtteil seinen Bewohnern nahe zu bringen hat sich der am 10.02.2004 gegründete Stadtteilverein Kattenstroth e. V. als Ziel gesetzt. Er organisiert neben dem Stadtteilfest und dem Weihnachtsmarkt auch Schnatgänge und plattdeutsche Klönabende und gibt seit 2005 mit dem "Kattenboten" ein eigenes Stadtteilmagazin heraus. Als besonderes Ereignis fand 2008 bereits der sechste Stadtteillauf statt, bei dem die Teilnehmer Distanzen bis zu 10 Kilometern innerhalb von Kattenstroth zurücklegen.

Bereits seit 1927 besteht der Schützenverein Kattenstroth e. V., der heute ca. 600 Mitglieder zählt (davon allein 60 Aktive in der Jugendabteilung) und damit zu den größten Schützenvereinen in Gütersloh gehört. Seit dem 22.08.1969 besteht auch eine eigene Damenabteilung, die von Anfang an ihre Position im Schützenwesen behauptet hat. Der Schützenverein Kattenstroth e. V. zählt zu den wenigen Schützenvereinen, die ein eigenes Schützenhaus haben. Er ist außerdem Ausrichter des Kattenstrother Nordic-Walking-Biathlons, der am 31.08.2007 zum ersten Mal stattfand.

Mit dem Schlachtruf "Maschi Mau — Kattenbuer Helau" feiert der KattenstrotherKarnevals-Club (KKC) e. V. als einziger Verein dieser Art in Gütersloh jede Session. Gegründet wurde er 1952 im Gasthaus Roggenkamp aus der Mitte der Liebfrauen-Gemeinde. Die ersten Prunksitzungen fanden in Witmanns Festsälen statt, hier feierten bereits zahlreiche Gütersloher Vereine; später wechselte man in die Stadthalle Gütersloh. Seit 1993 wird für besondere soziale oder karitative Verdienste der "Kattenbuer"-Orden verliehen. Der KKC ist Mitglied im Bund Deutscher Karneval e. V. und im Bund Westfälischer Karneval e. V.. Zum 50jährigen Jubiläum zählte der Verein 182 Mitglieder.

Bei der 1923 gegründeten DJK Gütersloh e. V. stehen neben Breitensport und Fitness auch Tanz, Einradfahren und Tischtennis auf dem Programm. Die Sportstätten liegen im Ortsgebiet, hierzu zählen die Sporthallen der Janus-Korczak-Gesamtschule (früher Liebfrauenschule) und der Paul-Gerhard-Schule sowie die Sport- und Schwimmhalle der Michaelisschule. Seit 1967 besteht der Tennisclub der DJK Gütersloh, der seine Trainings- und Heimspiele auf der Platzanlage hinter der Gaststätte Müterthies an der Neuenkirchener Straße in Spexard austrägt.
Sportlich sind im Stadtteil außerdem die Sportfreunde Kattenstroth 03 zu Hause. Was 2003 mit der Anmeldung einer Fußballmannschaft in der Hobbyliga begann, führte über die Kreisliga C in der Saison 2005 / 2006 direkt nach dem Aufstieg 2007 in die Kreisliga B. Man legt damit nicht nur auf dem Rasen ein beachtliches Tempo vor.

Aus dem ehemaligen katholischen Vereinshaus gegenüber der St.-Pankratius-Kirche entstand das von der Bevölkerung gern aufgesuchte Gütersloher Brauhaus, das mit seinen typischen Biersorten ("Fuhrmanns Dunkel") die Brautradition in Gütersloh fortsetzt. Nach einem Besuch dort wird gern das Gästehaus "Flussbett" aufgesucht, das in der früheren Jugendherberge nach umfassender Modernisierung heute von den Werkstätten für Behinderte geführt wird.

Kirche

Wie Spexard ist auch Kattenstroth traditionell mit der Kirchengemeinde Gütersloh verbunden; dieses ist insbesondere auch durch die Territorialgeschichte begründet.

Bereits 1295 wurde das Amt Reckenberg dem Dominikanerkloster in Osnabrück zugewiesen und gehörte über Jahrhunderte zum Bistum. Selbst die im 15. Jahrhundert einsetzende Verweltlichung des Klerus brachte für diese Zuordnung keine tiefgreifenden Änderungen. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 legte schließlich fest, dass der Glauben des Herrn einer Region auch für die Untertanen bindend sei. Nur kurze Zeit später wurde die Zugehörigkeit von Kattenstroth zum Bistum Osnabrück im Bielefelder Rezeß von 1565 bestätigt.

Die Reformation brachte immer wieder Konflikte für die katholischen Einwohner von Kattenstroth mit den Protestanten. Eine Lösung ergab sich aber erst 1655 mit dem Hagener Rezeß, nach dem die auch für Kattenstroth zuständige Pankratiuskirche (heute Apostelkirche) als Simultaneum für beide Konfessionen genutzt wurde. In der Folgezeit wuchsen sowohl die katholische als auch die evangelische Gemeinde stark an, so dass die Kapazitäten auch nach dem Neubau der Martin-Luther-Kirche nicht mehr ausreichten. Im Vertrag vom 17.11.1887 kündigten beide Gemeinden das Simultaneum auf. Die katholische Kirchengemeinde erhielt mit einem Schenkungsvertrag vom 17.06.1888 vom Bauern Westmöller ein 5.100 qm großes Grundstück unweit des Alten Kirchplatzes, aber schon in Kattenstroth, für den Kirchenneubau. Nach Sicherung der Finanzierung wurde mit dem Bau anhand des Entwurfs des Diözesanbaumeisters Güldenpfennig begonnen, die Grundsteinlegung erfolgte am 11.08.1889. Eingeweiht wurde die neue St.-Pankratius-Kirche bereits am 15.10.1890 durch den Paderborner Weihbischof Dr. Gockel. In nicht weniger kurzer Bauzeit konnte auch der 62 Meter hohe Turm im Dezember 1891 fertig gestellt werden. St. Pankratius verfügt über ein für Westfalen einzigartiges Geläut aus sieben Glocken, das nach der Ergänzung um drei Glocken und deren Weihe seit dem 21.03.2004 in dieser Form besteht.

Am 01.04.1943 erhob der Erzbischof von Paderborn den südlichen Teil des Stadtgebiets zur eigenen Pfarrvikarie. Die Gottesdienste fanden jedoch zunächst weiter in der St.-Pankratius-Kirche statt. Vom 15.04.1945 bis Anfang September des gleichen Jahres feierte die neue Liebfrauen-Gemeinde ihre Gottesdienste in der Gaststätte Müterthies, bevor am 09.09.1945 der damalige Pfarrer von St.-Pankratius, Siegfried Hofius, das Allerheiligste in einer feierlichen Prozession vom Saal Müterthies in die Räume der Möbelfabrik Schlautmann übertrug.
Die Kirchengemeinde Liebfrauen kaufte 1948 vom Bauern Karreh ein Stück Land am Kattenstrother Weg / Schledebrückstraße und errichtete im gleichen Jahr eine Vikarie. Am 03.09.1952 wurde der Grundstein zum Bau der Liebfrauenkirche gelegt; das Richtfest feierte man am 14.12.1952. Konsekriert wurde die Kirche am 21.06.1953 durch den Paderborner Erzbischof Dr. Lorenz Jäger, bevor am 20.12.1953 die Glockenweihe stattfand. Zur Gemeinde gehört neben Kattenstoth auch ein Teil von Spexard-West, die genaue Abgrenzung wurde 1954 festgelegt. Liebfrauen ist flächenmäßig eine der größten Kirchengemeinden in Gütersloh mit etwa 6.000 Gemeindemitgliedern.

Wirtschaft / Verkehrswege

Der ländlich geprägte Grüngürtel um die Innenstadt Gütersloh bot neben agrarischen Strukturen insbesondere auch für die Grundidee der Westfälischen Klinik (heute LWL-Klinik Gütersloh) die zur Umsetzung des Konzepts notwendigen Flächen. Dazu kaufte der damalige Provinzialverband Westfalen 1903 das entsprechende Grundstück an, ab 1910 begann der Leiter der Heilanstalt Warstein, Hermann Simon, mit Herrn Gerlach und dem Regierungsbaumeister Mangelsdorf, ein Konzept zu entwickeln. Die Kranken sollten dabei in freundlich gestalteten, locker in einem Park angeordneten Gebäuden untergebracht sein. Arbeit und Selbstversorgung waren Teil der Therapie. Es entstand ab 1912 eine "Krankenstadt im Grünen", die auch Personalwohnhäuser umfasste. Die Anlage wurde 1914 von der Reichswehr als Gefangenenlager in Beschlag genommen und ging daher erst 1919 in Betrieb. Die für die Grundidee wichtigen Strukturen sind bis heute deutlich ablesbar erhalten geblieben.

Eine der ältesten Verkehrswege durch Kattenstroth ist die Chaussee von Gütersloh nach Wiedenbrück (Unter den Ulmen). Sie beginnt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Alten Kirchplatz und mündet über die Wiedenbrücker Straße direkt in die heutige Bundesstraße 61. Nach Süden sind der Brockweg und die Schledebrückstraße die wichtigsten Verbindungen, sie werden von der Schalückstraße, dem Südring, dem Kattenstrother Weg und seit Anfang der 90er-Jahre vom Stadtring Kattenstroth gekreuzt. Mit dem Rasthaus Gütersloh hat Kattenstroth außerdem Anteil an der Autobahn A 2.

Die Dalke bildet seit jeher die Grenze zur ehemaligen Herrschaft Rheda. Im Norden entstand 1925 mit dem Wapelbad die erste öffentliche Badeeinrichtung, heute wird es als Licht- und Luftbad sowie im Sommer für zahlreiche Kulturveranstaltungen genutzt.

Durch Kattenstroth verläuft die Trasse der 1847 eröffneten Köln-Mindener Eisenbahn, allerdings ohne Haltepunkt. Dennoch siedelten sich gerade entlang der Bahnstrecke einige Gewerbebetriebe an, einen zusammenhängenden Komplex bildet das Gewerbegebiet West. Hier siedelte sich z. B. 1974 mit der Molkerei H. Strothmann ein Unternehmen an, das 1903 an der Brockhäger Straße von Hermann Strothmann gegründet wurde. 2002 / 2003 wurde die Molkerei von der Fa. Campina übernommen. Mit den Werkstätten für Behinderte und dem Kiebitzhof als Biobauernhof sind hier jedoch nicht nur Industriebetriebe vorzufinden.
Auch die erste mechanische Weberei im Stadtgebiet lag in Kattenstroth. Sie wurde 1874 von den Herren Greve und Güth direkt an der Bahnlinie gegründet und 1892 um eine Näherei ergänzt. Ausschlag gebend für die Ansiedlung war die verfügbare Fläche sowie der im Vergleich zu Gütersloh günstigere Steuersatz. Seit 1925 stellte die Weberei auch Frottierstoffe her; sie zählte 1939 etwa 450 Beschäftigte. Aufgrund des wachsenden Konkurrenzdrucks wurde der Betrieb 1975 eingestellt. Zwischenzeitlich angedachten Abrissplänen trat der Stadtrat jedoch entgegen und votierte 1981 für den Erhalt der Weberei, so dass sie 1984 als Bürgerzentrum neu eröffnet werden konnte.

Ebenfalls namhafte Frottierstoffe wurden in der 1925 von Burghardt Vossen gegründeten Weberei an der Neuenkirchener Straße hergestellt. Der Betrieb wurde 1996 von einer österreichischen Investorengruppe übernommen und die Produktion nach Jennersdorf / Burgenland verlagert. Nach dem Abriss der Anlagen entstanden auf dem Areal ein Wohngebiet, einige neue Gewerbebetriebe sowie das Finanzamt Gütersloh.
Tradition hatten auch die in Kattenstroth gelegenen Möbelfabriken Johannknecht, Reckmeyer, Philipp Nordmann und Nordmann GbR, Hälker, Kriener, Henke, Hankel & Jostmann und das Furnierwerk Schlautmann. Kattenstroth war sozusagen die Möbelfabrik von Gütersloh. Untrennbar mit Kattenstroth ist auch die Firma Wilmking verbunden, die Mausefallen (Lux) und Wäscheklammern herstellte.

Insgesamt findet man in Kattenstroth eine gelungene Mischung aus Wohngebäuden, Arbeitsmöglichkeiten und Frei- bzw. Erholungsflächen vor. Die gute Verkehrsanbindung sowie die Nähe zur Kernstadt Gütersloh unterstreichen das Ergebnis einer maßvollen und zielgerichteten Weiterentwicklung dieser ehemaligen Bauerschaft zum Stadtteil, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren.